Fachkräftemangel Statistik: Welche Berufe sind betroffen?

Der Fachkräftemangel existiert und wird Prognosen zufolge auch in den nächsten Jahren noch nicht beseitigt sein. Aktuell sind bestimmte Wirtschaftszweige und Regionen besonders betroffen. Daher sehen sich HR-Manager mit einer besonderen Herausforderung konfrontiert, wenn es um das Recruiting von Fachkräften geht.

Inhalte
Fachkräftemangel-Statistiken

Was heißt Fachkräftemangel?

Das Terminus Fachkräftemangel beschreibt die Situation, dass ein Unternehmen seine offenen Stellen nicht mit den passenden qualifizierten Bewerbern besetzen kann. Über das aktuelle Verhältnis von Vakanzen zu Bewerbern geben die Statistiken der Bundesagentur für Arbeit Auskunft. Weil jedoch nicht alle Arbeitgeber ihre offenen Stellen dort melden, ist der tatsächliche Bedarf an Fachkräften noch höher. Ein Fachkräftemangel liegt vor, wenn Vakanzen erst viele Monate nach ihrer Veröffentlichung besetzt werden können. Es gleicht einem War for Talents.

Ist das gestörte Verhältnis von Nachfrage und Angebot nur vorübergehend, spricht man von einem Fachkräfteengpass. Ein sicheres Indiz für den Mangelzustand ist ein ungewöhnlich hohes Lohnniveau in der jeweiligen Berufsgruppe. Fachkräftemangel richtet großen wirtschaftlichen Schaden an, weil die Produktivität der Betriebe darunter leidet. Aufträge können nicht angenommen oder fertiggestellt werden. Fachkräfte sichern außerdem die Gesundheit (Mediziner, Pflegekräfte), Lebensqualität und den Wohlstand der Menschen.

Doch was ist eigentlich eine Fachkraft und worin unterscheidet sie sich von einem Spezialisten und einem Experten? Fachkräfte sind Arbeitnehmer mit abgeschlossener Berufsausbildung wie Krankenpfleger und Beamte im mittleren Dienst. Als Spezialisten bezeichnet man Mitarbeiter, die beispielsweise einen Bachelor-Abschluss haben. Oder Betriebswirte, Fachwirte, Handwerksmeister und Beamte des gehobenen Dienstes sind. Experten dürfen sich Beschäftigte nennen, die nach wenigstens vier Jahren Hochschulstudium ihren Master-Abschluss erworben haben oder Beamte des höheren Dienstes sind.

Gibt es einen Fachkräftemangel?

Die folgenden Zahlen und Fakten geben einen kurzen Einblick in die Problematik:

Zahlen zu Fachkräftemangel

Dass es einen Fachkräftemangel gibt, ist unbestritten. Allerdings ist er nicht flächendeckend und auf sämtliche Berufsgruppen bezogen. Manche Regionen wie der Süden und Osten Deutschlands leiden mehr unter ihm als andere. Während beispielsweise in Berlin im IT-Bereich jede Stelle besetzt werden kann, hat sich die Situation in Ostdeutschland zugespitzt. Die Lage im Gesundheits- und Pflegesektor ist dagegen fast überall dramatisch. Die Gründe für den Fachkräftemangel sind vielfältig: Arbeitnehmer verlassen die Firma aus Alters- oder Krankheitsgründen.

Der demografische Wandel bewirkt, dass jeder Erwerbstätige für immer mehr alte Menschen aufkommen muss. Betriebe finden keine passenden Auszubildenden. Arbeitnehmer ziehen einen gut bezahlten Job im Ausland vor. In den ländlichen Gebieten herrscht Fachkräftemangel, weil die jungen Leute in die Städte abwandern oder Arbeitskräfte dort wegen schlechterer struktureller Bedingungen nicht arbeiten möchten (Landärzte). Auch mitarbeiter-unfreundliche Arbeitsbedingungen (Pflegebereich) sind schuld, wenn offene Stellen erst spät oder überhaupt nicht besetzt werden können.

Die zunehmende Digitalisierung fördert ebenfalls den Mangelzustand, weil das deutsche Bildungssystem nicht auf diese Technologien vorbereitet war. Die MINT-Berufe (Bereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) sind heute immer noch für weibliche Arbeitskräfte wenig attraktiv. Gibt es in einer Branche eine zu hohe Anzahl an Studenten, bekommt sie nicht genügend Auszubildende. Dem Bundesinstitut für Berufsbildung zufolge interessierten sich junge Menschen im Jahr 2019 deutlich weniger für duale Ausbildungsplätze als in früheren Jahren. Der Grund: Immer mehr Schulabgänger beginnen ein Studium. Um die duale Ausbildung hierzulande zu stärken, haben Bund und Länder, die Bundesanstalt für Arbeit, die deutsche Wirtschaft und die Gewerkschaften die Allianz für Aus- und Weiterbildung 2019 erneuert.

Fachkräftemangel in Österreich

In Österreich herrscht mancherorts und in einigen Wirtschaftssektoren eine ähnlich prekäre Situation. Laut einer Umfrage des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) leiden 88 % der interviewten österreichischen Firmen unter einem leichten Fachkräftemangel. 46 % sind stark betroffen. Derzeit können im deutschen Nachbarland rund 207.000 Stellen nicht mit Fachkräften besetzt werden. Darüber hinaus hat sich dort die Vakanzdauer deutlich verlängert. 65 % der Stellen sind nach mehr als einem halben Jahr noch zu haben. HR-Entscheider beklagen zudem die gesunkene Qualität der Bewerber.

Fachkräftemangel in der Schweiz

Das Unternehmen Spring Professional, eine Tochter der Adecco Group Schweiz, veröffentlicht jedes Jahr Untersuchungen zur Situation der Fachkräfte auf dem Schweizer Arbeitsmarkt. Sie werden zusammen mit dem Soziologischen Institut der Züricher Universität (Stellenmarkt Monitor Schweiz) erstellt. Parallel dazu verfolgen die Wissenschaftler die Entwicklung in den einzelnen Berufen über längere Zeiträume hinweg. Sie veröffentlichten Ende 2019 folgende Ergebnisse:

  • Der Schweizer Fachkräfte Index ist seit 2016 um 22 % gestiegen.
  • Von dieser negativen Entwicklung sind insbesondere technische und Ingenieurberufe sowie das Treuhandwesen betroffen.
  • Der Fachkräftemangel ist in der deutschsprachigen Schweiz wesentlich ausgeprägter als in der Romandie.
  • In vielen anderen Berufen existiert ein mehr oder weniger großer Fachkräfteüberschuss. Verglichen mit dem Vorjahr hat sich die Situation allerdings etwas entspannt.

Welche Branchen sind von einem Fachkräftemangel betroffen?

In Deutschland konzentriert sich der Fachkräftemangel insbesondere auf die Bereiche

  • Handwerk (Elektroinstallation, Rohrleitungsbau)
  • Industrie (Metallindustrie, Elektroindustrie, Kunststoffverarbeitung)
  • MINT-Berufe (Ingenieure / Fahrzeugbau / Maschinenbau / Elektrotechnik)
  • IT und Software
  • Gesundheitswesen und Pflege (Ärzte, Alten- und Krankenpflegekräfte)

Besonders vom Fachkräftemangel betroffen sind die wirtschaftsstarken südlichen Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern. Aber auch Unternehmen in den östlichen Bundesländern, in Rheinland-Pfalz und Niedersachsen klagen darüber. Im Jahr 2019 konnten 263.000 Stellen in den MINT-Berufen nicht besetzt werden. Am schlimmsten traf es den IT-Bereich: Bis Oktober 2019 mussten 124.000 Stellen offen bleiben. 83 % der deutschen Betriebe sind der Meinung, dass hierzulande ein IT-Fachkräftemangel existiert. Drei Lektionen aus dem IT Fachkräftemangel und wie wir zukünftig damit umgehen können, zeigt unser Blogartikel zu dem Thema.

Ähnlich sieht es bei den Pflegefachkräften aus. Derzeit fehlen 376.000 qualifizierte Mitarbeiter. Und weil die deutsche Bevölkerung immer älter wird, gehen Gesundheitsexperten davon aus, dass der Bedarf an Pflegepersonal bis zum Jahr 2035 auf mehr als 493.000 Stellen steigen wird. Diese Zahlen wirken angesichts der Tatsache, dass Pflegeberufe wegen ihrer vergleichsweise hohen Arbeitsbelastung und schlechten Entlohnung wenig attraktiv sind, noch bedrohlicher.

Fachkräftesituation in Österreich

Die Alpenrepublik hat laut aktueller Fachkräftemangel Statistik der Wirtschaftskammer Österreichs (WKO) derzeit einen nicht gedeckten Bedarf an Fachkräften in den Branchen

Statistik Fachrkäfte Situation in Österreich

Auch im Pflegebereich müssen viele Arbeitsplätze unbesetzt bleiben. Vom Mangel an qualifiziertem Personal stark betroffen sind Kärnten und der Westen des Landes. Er betrifft dort inzwischen schon ein Viertel aller Industriebetriebe. Laut Prognosen könnten acht von zehn Industrieunternehmen ihren Personalbedarf in einigen Jahren nicht mehr decken. Was die Vakanzdauer angeht, sieht die Situation derzeit folgendermaßen aus: Zwei von drei Betrieben können ihre offenen Stellen erst nach mehr als sechs Monaten neu besetzen. Im Gewerbe und Handwerk sind es sogar 72,5 %. Auch im Transportwesen bleiben die Fachkräftestellen viel zu lange frei (64,9 % der befragten Betriebe). Auf den Plätzen drei bis sechs befinden sich die Bereiche Information und Consulting, Handel, Tourismus/Freizeitwirtschaft und Industrie (45,6 %). Von einer deutlichen Verschärfung der Situation in der eigenen Branche in den nächsten drei Jahren gehen sechs von zehn befragten österreichischen Firmen aus. Eine leichte Zunahme des Fachkräftemangels erwarten 22,7 % der Unternehmen.

Fachkräftesituation in der Schweiz

Ingenieurberufe wie Elektronik- und Bauingenieure nehmen den ersten Platz der Fachkräftemangel Statistik ein. Verschärft hat sich die Lage bei den technischen Berufen (ehemals Platz 3, nunmehr auf dem zweiten Platz). Zu diesen zählen unter anderem Heizungs-, Lüftungs-, Sanitär- und Klimatechniker. In den Berufen des Treuhandwesens (Steuerberater, Revisoren, Treuhänder) fehlen ebenfalls viele qualifizierte Arbeitnehmer. Der Grund: Kleinere Unternehmen können mit den guten Konditionen und Aufstiegschancen nicht mithalten, die größere Firmen bieten. Außerdem suchen Betriebe vielerorts händeringend Informatiker (Programmierer, Systemanalytiker, Platz 4). Das expandierende Schweizer Gesundheitssystem benötigt dringend mehr Mediziner und Apotheker und medizinisch-pharmazeutisches Personal. Doch auch in diesem Bereich müssten die Arbeitsbedingungen attraktiver werden.

Wie finde ich geeignetes Fachpersonal in betroffenen Branchen?

Vorbemerkung: Eine einzige Lösung, den Fachkräftemangel zu beheben, gibt es nicht. Im Folgenden werden einige Lösungsansätze und spezifische Vorgehensweisen vorgestellt. Voraussetzung, die geeigneten Fachkräfte zu finden, ist, dass der Personaler die neueste Fachkräftemangel Deutschland Statistik kennt. Sucht er Pflegekräfte, muss er die aktuelle Fachkräfte Pflege Statistik als Datenbasis heranziehen. Hat er diese in Bezug auf die jeweilige Berufsgruppe analysiert, sollte er zusätzlich regionale und weitere Faktoren berücksichtigen. Wichtig ist ebenfalls, Potenziale zu nutzen, die im Allgemeinen zu wenig Beachtung finden. Zu diesen zählen vor allem ältere Arbeitnehmer, Frauen, Arbeitnehmer mit Qualifizierungs- und Karrierewunsch und Fachkräfte aus EU- und Nicht-EU-Ländern.

Ältere Arbeitnehmer
Sie verfügen über ein durch langjährige Berufserfahrung optimal ergänztes Know-how in ihrem Beruf. Eine vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) beauftragte Studie des Mannheimer ZEW kommt zu dem Ergebnis, dass bis 2025 0,6 bis 1,1 Millionen Fachkräfte zwischen 55 und 64 Jahren zur Verfügung stehen werden. Dieses Potenzial sollten Unternehmen unbedingt nutzen und weiterbilden. Laut Fachkräfte Statistik der Arbeitsagentur nahm vor allem der Anteil weiblicher Fachkräfte in dieser Altersgruppe in den vergangenen Jahren zu.

Weibliche Fachkräfte
Auch wenn Deutschland eine Frauenerwerbsquote von 75 % hat (Stand: 2017), arbeiten hierzulande immer noch zu wenig weibliche Fachkräfte Vollzeit. Fast jede zweite nicht erwerbstätige Frau ist mit der Betreuung von Familienangehörigen beschäftigt. Dieses Fachkräftepotenzial geht dem Arbeitsmarkt verloren, weil es immer noch zu viele Unternehmen mit familienunfreundlichen Arbeitszeiten gibt.

Qualifizierungswillige Ungelernte
In 30 von insgesamt 204 Engpassberufen könnte der Fachkräftemangel verringert werden, wenn die Unternehmen Arbeitssuchende als Helfer einstellen und anschließend qualifizieren würden.

Fachkräftesuche im EU- und sonstigen Ausland
Um offene Stellen schneller zu vergeben, ist auch die Suche nach Fachkräften im Ausland hilfreich. Allerdings müssen die Firmen den Arbeitnehmern auch entsprechend gute Arbeitsbedingungen bieten.

Rückkehrer aus dem Ausland
Laut Fachkräfte Statistik arbeiten derzeit mehr als 200.000 hoch qualifizierte Deutsche in EU-Ländern und den USA. Könnten sie mit erleichterten Rückkehrbedingungen dazu motiviert werden, ihre Karriere hierzulande fortzuführen, käme dies der Wirtschaft zugute. In diesem Punkt ist natürlich auch der Gesetzgeber gefragt.

Erhöhung der dualen Ausbildungsangebote und Angebote für Quereinsteiger
Unternehmen, die besonders vom Fachkräftemangel betroffen sind, könnten mehr Bewerber anziehen, wenn sie Auszubildenden interessante duale Ausbildungsgänge ermöglichen. Im IT- und Pflegebereich bietet es sich an, Quereinsteiger anzusprechen und ihnen eine entsprechende Weiterbildung zuzusagen.

Qualifizierung bereits vorhandener Fachkräfte
Eine gute Möglichkeit, Stellen mit Fachkräften zu besetzen, ist auch die interne Qualifizierung. Benötigt eine Firma einen Elektroingenieur, kann sie einen zur Belegschaft gehörenden Elektrotechniker berufsbegleitend weiterbilden.

Beispiele für gelungene Problemlösungen

Im Folgenden stellen wir einige Lösungsansätze vor, die Unternehmen bereits erfolgreich umsetzen.

1. Wie Handwerksbetriebe Fachkräfte finden

Digitalisierte Handwerksbetriebe müssen heute besonders findig sein, wenn sie Fachkräfte und Auszubildende suchen. Die Suche über Online-Anzeigen in Jobbörsen und auf der eigenen Karriereseite ist deshalb so erfolgreich, weil sie nicht nur auf den regionalen Arbeitsmarkt ausgerichtet ist. Die Stellenbörsen im Internet sind für Recruiter einfach und flexibel zu handhaben und teilweise sogar kostenfrei (Arbeitsagentur, Gigajobs.de). Weil die Fachkräfte sich per E-Mail bewerben und Zeugnisse und Lebenslauf bequem hochladen können, verkürzt sich die Stellenbesetzung in vielen Fällen.

Einige der Jobbörsen haben für Handwerks- und Gewerbebetriebe sogar eine eigene Rubrik (Stepstone.de). Außerdem bieten die örtlichen Handwerkskammern den Fachkräfte rekrutierenden Betrieben eigene Stellenbörsen und sogar Personalvermittlungen an. Spezielle Online-Jobbörsen für Handwerksbetriebe finden Personaler außerdem in der Datenbank „Jobbörsenverzeichnis“.

2. Softwarehäuser gehen neue Wege

Fachkräfte gibt es oft dort, wo das suchende Unternehmen keinen Geschäftssitz hat. Kleinere Webentwickler in Großstädten wie München müssten den ortsansässigen Fachkräften horrende Gehälter zahlen. Weil sie aber nicht mit großen IT-Unternehmen konkurrieren können, greifen sie auf andere Lösungen zurück. Sie werben IT-Personal aus den benachbarten Landkreisen an. Und machen ihren neuen Talenten ein Homeoffice-Angebot, sodass sie nicht jeden Tag pendeln müssen.

3. Recruiting von Pflegekräften

Im Pflegebereich herrscht ein besonders großes Missverhältnis zwischen offenen Stellen und vorhandenen Bewerbern. Hauptproblem ist, dass die Arbeit in der Kranken- und Altenpflege immer noch vergleichsweise unattraktiv ist. Die Vergütung lässt oft zu wünschen übrig, die Arbeitszeiten sind unflexibel. Um die passenden examinierten Pflegekräfte zu finden, müssen Arbeitgeber attraktivere Arbeitsbedingungen schaffen. Zu diesen zählen beispielsweise Karriereperspektiven, kostenfreies gesundes Kantinenessen und spezielle Wellnessangebote, die dem Burnout entgegenwirken.

Das BG Klinikum Hamburg geht mit gutem Beispiel voran, weil ihm die Gesundheit seiner Mitarbeiter wichtig ist. Diese haben unter anderem ergonomisch gestaltete Arbeitsplätze und können das Betriebssportangebot und die hauseigene Kita nutzen.

4. E-Recruiting

Für eine besonders effiziente Personalbeschaffung empfiehlt sich der Einsatz spezieller E-Recruiting-Tools. Sie automatisieren die gesamte Fachkräfte-Akquise und ermöglichen genaue Vergleiche von Bewerberprofilen. Darüber hinaus kann der Recruiter vielversprechende Fachkräfte an sämtlichen Touchpoints der Candidate Journey kontaktieren. Wir von Firstbird helfen Ihnen mit unserem Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter-Programm, schneller die geeigneten Fachkräfte zu finden. Innerhalb Deutschlands und weltweit. Setzen Sie Ihre eigenen Angestellten als Markenbotschafter ein, und erreichen Sie durch die Verbreitung der Jobs im Netzwerk Ihrer Mitarbeiter auch den passiven Arbeitsmarkt. Zur schnelleren Stellenbesetzung trägt außerdem unser Tool WorkHero bei, wo Referenzen von Kollegen Arbeitssuchenden bei der Jobsuche helfen.

Welchen Einfluss hat die Corona-Krise auf den Mangel an Fachkräften?

Die Corona-Krise hat viele Branchen der deutschen Wirtschaft schwer getroffen. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) stellt in ihrer Pressemitteilung vom 15.06.2020 fest, dass es „bereits heute in zwei Dritteln aller Berufe Fachkräfteengpässe“ gibt. Sie bezieht sich dabei auf die aktuelle Studie der hauseigenen Abteilung KfW Research. Diese Untersuchung beschäftigt sich mit dem aktuellen Fachkräftemangel und seiner möglichen Entwicklung bis 2040. Die Chefvolkswirtin der KfW Bankengruppe Dr. Fritzi Köhler-Geib redet vor dem Hintergrund der Studienergebnisse Klartext: „Die deutsche Wirtschaft kann dem Fachkräftemangel und der Produktivitätsschwäche vor allem mit mehr Investitionen, Innovationen und Bildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen entgegenwirken. Diese Zutaten benötigt unsere Wirtschaft auch, um die Corona-Krise und ihre Folgen möglichst schnell zu überwinden. Wir brauchen deshalb für die kommenden Jahre eine langfristig angelegte Wachstums- und Investitionsinitiative von Staat und Wirtschaft – und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa.“

Die Untersuchung rechnet vor allem die Bauberufe, Altenpflege und alle Jobs, in denen es um die Digitalisierung geht, zu den Mangelberufen. Auch in den medizinischen Expertenberufen wird die Luft dünner: Es fehlen Ärzte verschiedener Fachrichtungen und Apotheker. Verantwortlich für den Fachkräftemangel sind laut KfW Studie abnehmende Bevölkerungszahlen, eine Überalterung der Bevölkerung und ein zu geringer Produktivitätszuwachs.

Auch wenn es in verschiedenen Bereichen der Wirtschaft einen trotz Corona hohen Fachkräftebedarf gibt, haben die Firmen Probleme, ausländische Fachkräfte anzuwerben. Deutsche Auslandsvertretungen erteilten trotz des seit März 2020 geltenden Fachkräfteeinwanderungsgesetzes im ersten Halbjahr 2020 lediglich 30.117 Arbeitsvisa an qualifizierte Arbeitnehmer außerhalb der EU. Auch die Zahl der Fachkräfte aus EU-Ländern ging während der Coronakrise drastisch zurück. Seit dem Sommer gibt es zwar wieder mehr Unternehmen, die Arbeitskräfte einstellen. Das Fachkräfteproblem hat sich für manche Betriebe allerdings verschärft.

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Pflege, Thomas Greiner, geht davon aus, dass allein der Pflegesektor pro Jahr mindestens 30.000 Pflegefachkräfte aus dem Ausland benötigt. Von den hierzulande beschäftigten mehr als zwei Millionen Arbeitnehmern aus EU-Ländern sind inzwischen coronabedingt 9,3 % arbeitslos (Stand: April 2020). Das sind laut des Münchner Ifo Instituts für Wirtschaftsforschung zwei Prozentpunkte mehr als im April des Vorjahres. Problematisch ist auch, dass die langwierigen Visaverfahren die Zuwanderung von Fachkräften behindern. Nimmt die Wirtschaft in den nächsten Monaten an Fahrt auf, verschärft sich der Fachkräftemangel vermutlich noch.

Im Nachbarland Österreich sieht man die Corona-Krise sogar als Chance, dem Fachkräftemangel endlich wirkungsvoll zu begegnen. Der Karriereblog Karriere.at führte von Mitte Februar bis Mitte August Interviews mit österreichischen Fachkräften. Der CEO von karriere.at, Georg Konjovic, fasst die Ergebnisse der Befragung zusammen: Weil sich der Arbeitsmarkt auf der Seite der Arbeitnehmer schneller regeneriert als auf der Unternehmensseite, ist dies „eine wichtige Chance für Unternehmen, hier aufzuholen, dringend notwendige Fachkräfte anzusprechen und diese auch zu erreichen.“

Zu den Gewinnern der Corona-Pandemie gehört die österreichische IT-Branche. Jobs in diesem Bereich waren während des Shutdowns so begehrt wie nie zuvor und sind es heute noch. Sehr attraktiv für Arbeitsuchende sind außerdem Stellen in den Bereichen Gesundheit und Soziales, Pharma, Controlling und Rechnungswesen. Sie lassen sich derzeit schneller besetzen. In den Branchen Tourismus, Gastronomie und Marketing brach der Bedarf an qualifiziertem Personal durch die Corona-Maßnahmen stark ein.

Expertenprognosen zum Fachkräftemangel

Experten wie die Wirtschaftsforscher des Ifo Instituts sehen dennoch vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Sie können sich vorstellen, dass es in den nächsten Monaten eine Einwanderungswelle aus EU-Ländern gibt, die durch die Corona-Maßnahmen besonders hart getroffen wurden: Die zunehmende Arbeitslosigkeit in Griechenland und Spanien könnte Deutschland bald zusätzliche Fachkräfte bescheren. Auch junge russische Staatsbürger würden gern wenigstens vorübergehend hier arbeiten oder studieren. Die restriktive Einwanderungspolitik von Ländern wie Großbritannien und den USA könnte dazu führen, dass noch mehr hoch qualifizierte Fachkräfte, Experten und Spezialisten aus Indien und China nach Deutschland kommen. Qualifizierte Zuwanderer aus Nicht-EU-Staaten haben es derzeit jedoch schwer. Nicht wenige sind von Abschiebung bedroht, weil die Politik nicht bereit ist, in coronabedingten Ausnahmefällen Aufenthaltsgenehmigungen verlängern zu lassen.

Der seit vielen Jahren anhaltende Mangel an Fachkräften betrifft aktuell zwar nur bestimmte Bereiche der deutschen Wirtschaft und diese in unterschiedlichem Ausmaß. Können Betriebe ihre offenen Stellen aber in absehbarer Zeit nicht schneller besetzen, bremst er letztlich das Wirtschaftswachstum aus.

Tipps, wie Sie innerhalb kurzer Zeit zu geeigneten Bewerbern kommen, finden Sie in unserem Blogbeitrag “Talente gesucht – Fachkräfte gefunden” und in unserer aktuellen Talent Management Infografik.

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Julia

Als Social Media Managerin ist Julia stets auf der Suche nach neuen Trends. Als Teil des Contentteams schreibt sie gerne über Social Recruiting, New Work und berichtet regelmäßig über Kundenerfahrungen.

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